„Felix Nussbaum im Exil in Brüssel (1936-1944) – eine Spurensuche“

Ein Projekt der Internationalen Deutschen Schule Brüssel

 

Der aus Osnabrück stammende jüdische Maler Felix Nussbaum wäre im Jahr 2004 hundert Jahre alt geworden. 2004 jährte sich zum 60. Mal die Ermordung des damals 39jährigen Felix Nussbaum und seiner Frau, der Malerin Felka Platek, im Konzentrationslager Auschwitz. Dies war Grund genug für den ebenfalls aus Osnabrück stammenden Diplompädagogen und Lehrer für geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer Detlef Neumann mit seinem Kollegen, dem Diplomsozialpädagogen, Künstler und Kunstlehrer Heinz Zimmer, eine Videogruppe zum Thema „Felix Nussbaum“ anzuregen. Sie starteten mit zwei Schülerinnen und drei Schülern der Internationalen Deutschen Schule Brüssel (iDSB) im Oktober 2004 das Projekt „Felix Nussbaum im Exil in Brüssel (1936-1944) – eine Spurensuche“.

 

Die Arbeit am Projekt und der Werkstattfilm: Schwerpunkt „Rue Archiméde 22“
Die drei Schüler der Klasse 8 b, Sebastian Seitz, Kai Marius und Nils Rütter und die beiden Schülerinnen, Anne Sophie DeMacq (Kl. 11.2) und Charlotte Heise (Kl. R 9) begannen nach einer ersten Informationssichtung verschiedene Orte des Wohnens und Schaffens des Künstlerpaares Felix Nussbaum und Felka Platek in Brüssel aufzusuchen. Schwerpunktmäßig wurde im Stadtgebiet rund um die Rue Archiméde mitten im Brüsseler Europaviertel recherchiert, fast nur einen Steinwurf entfernt vom Berlaymont-Gebäude und in Nachbarschaft von EU-Rat und –Verwaltung. Hier hatten Felix Nussbaum und Felka Platek während ihres Zwangsaufenthalts in Brüssel ab dem 06.10.1937 gewohnt. Im gleichen Haus fanden sie ab März 43 auf dem Dachboden ein Versteck vor den Nazi-Schergen. Am 20.06. 1944 wurden sie verraten. Mit dem letzten Deportationszug trieb man sie von Mechelen aus nach Auschwitz. In den Gaskammern wurden sie ermordet. (Vgl.: Marion Schreiber: Stille Rebellen. Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz. Aufbau-Tb:ISBN 3-7466-8067-0) Der Videofilm stellt den Versuch dar, dem Zuschauer etwas von dem verfolgten und angsterfüllten Leben des Künstlers, dessen Isolation und dem Inhalt seiner Bilder zu vermitteln.
Der Film entstand in der Freizeit der Schüler und Lehrer: Nach mehreren Sets in der Stadt begannen die Schülerinnen und Schüler u.a. an mehreren Wochenenden mit den Schnittarbeiten am Computer, mit der Suche und dem Einbau geeigneter Musik und mit der Tonbearbeitung. Es folgten Interviews und Treffen mit Menschen, die mit dem Werk Felix Nussbaums in Berührung kamen: Mit dem aus Brüssel stammenden Osnabrücker Rabbiner Marc Stern, dem belgischen Maler Arié Mandelbaum und dem ehemaligen Leiter des Goethe-Instituts Dr. Anton Regenberg und seiner langjährigen Mitarbeiterin Christine Gaspar. Nach einem guten halben Jahr intensiver Arbeit entstand so ein aktueller geschichtlicher Dokumentarfilm aus Schülerhand. Er wird von den Filmemachern als Beitrag gegen das Vergessen von Gräueltaten eines faschistischen Regimes am Beispiel des Malerpaares Felix Nussbaum und Felka Platek verstanden. Während der Arbeit am Film wurde die Gruppe am 29.11.2004 von einem Aufnahmeteam des ZDF begleitet. Der Beitrag von Klaus Prömpers und Ina d´Hondt, vom ZDF-Studio Brüssel, für eine „Heute-in Europa“-Sendung am 03.12.2004 wurde von dem Moderator mit folgenden Worten eingeleitet: „Aus der Deutschen Schule in Brüssel kommt ein Mut machendes Zeichen bei der allgemeinen Pisa-Lähmung: Schüler recherchieren – Nussbaum, ein Maler...“. Als die Stadt Osnabrück auf Betreiben der Brüsseler Projektgruppe durch Unterstützung einer Fraktion im Osnabrücker Stadtrat und des Projektkoordinators Jürgen Leimkühler vom Felix- -Nussbaum-Haus von den Lehrlingen Andreas Lenz und Till Wiemann der Firma „KM-Metal-Europa“ mit den Ausbildungsleitern Ralf Grafunder und Hans-Hermann Lücke Gedenktafeln zum Andenken an Felix Nussbaum und seiner Frau Felka Platek am Haus Nr. 22 in der Rue Archiméde anbringen ließ, kam der geeignete Anlass, der Öffentlichkeit den Werkstattfilm der iDSB-Schülergruppe zu präsentieren: Die Gedenkfeier für Felix Nussbaum und Felka Platek am 19. April 2005 in Brüssel (vgl.: www.bruessel.diplo.de: Aktuelles: …Archiv und: Bildergalerien: 19.04.05 Nussbaum) Nach der Eröffnung der Feier im Hotel „Novotel-Dorint Brüssel“ durch Dr. Walter Karbach, dem Leiter der iDSB, hoben der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim König- reich Belgien, Dr. Christoph Jessen, der EP-Abgeordnete und EUP-Vorsitzende Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip aus Osnabrück und der Bürger- meister der Stadt Brüssel(!), Freddy Tielemans, in ihren Wortbeiträgen u. a. die Bedeutung von Erinnern und Bewusstmachen im Zusammenhang von Geschichte und Europa hervor. Unter der Leitung von iDSB-Lehrer Ulrich St. Fauth sorgten Schülerinnen aus der Kl. 11.1 für musikalische Akzente bei der Feierstunde. Generalmanager Mark Van Ogtrop ermöglichte es, dass das Dorint-Hotel die Feier ausrichten und die gut 120 Gäste mit Getränken und einem kleinen Büffet verwöhnen konnte. Nach einem Gebet von Rabbiner Moshe Garelik wurden die Tafeln in Anwesenheit der Hausbesitzerin Madame Hollander, vieler Gäste und etlicher Journalisten von einem Lehrling aus Osnabrück und von einer Schülerin der Projektgruppe enthüllt. Das Gebet wollte Oberrabbiner Marc Stern singen. Für ihn war das Projekt der Internationalen Deutschen Schule Brüssel zu einer Herzensangelegenheit geworden. Er verstarb am 13. April 2005. Schüler und Lehrer bleiben von ihm tief beeindruckt. Der Film ist Marc Stern, „seinen“ jungen Leuten und der Gemeinde Osnabrück gewidmet. Inge Jaehner als Leiterin des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück, zu dem das Felix- Nussbaum-Haus gehört, und Detlef Neumann als Initiator des Projekts stellten anschließend Aspekte aus Leben und Werk Nussbaums und den Weg des Schülerfilmprojekts vor. Heinz Zimmer gab Informationen zum Film, der zum Abschluss der Veranstaltung im Novotel-Dorint zur Uraufführung kam. Einladung nach Osnabrück (2005) und Begegnungen in der Jüdischen Gemeinde (2006): Auf Einladung des Oberbürgermeisters Hans-Jürgen Fip besuchte die Projektgruppe im Juli 2005 direkt vor den Sommerferien drei Tage die Friedensstadt Osnabrück. Die Begegnung mit den originalen Gemälden und Zeichnungen im Nussbaum-Haus war für alle das wichtigste. Schüler und Lehrer waren von der Gastfreundschaft in Osnabrück beeindruckt. In bester Erinnerung bleiben: Die Zeit, die sich der OB zu Gesprächen mit seinen Gästen nahm, das Museum für Industriekultur, das Ausgrabungsgelände in Bramsche („Varus-Schlacht“), die Begegnung mit den Projektpartnern im Nussbaum Haus und der Firma KME und der Aufenthalt in der Villa, die früher der Familie Nussbaum gehört hatte. Am 19. Februar 2006 stellten Heinz Zimmer und Detlef Neumann in der Jüdischen Gemeinde Osnabrück in einer kleinen Feierstunde den Damen und Herren im Vorstand und jungen Erwachsenen und Jungendlichen der Gemeinde den Film vor und überreichten die erste Filmkopie und die Projekt-Dokumentation. 2007/2008: Besuchergruppen am Erinnerungsort in der „Rue Archiméde 22“: EP-Abgeordnete und die Vertretung des Landes Niedersachsen empfehlen den Gang dorthin. Heinz Zimmer: Internationale Deutsche Schule Brüssel, Lange Eikstraat 71, B-1970 Wezembeek-Oppem Tel.: 0032-(0)2-785.01.30, www.dsbruessel.be, (heinz.zimmer@belgacom.net); Detlef Neumann: Greselius-Gymnasium, Malgartener Str. 52, D-49565 Bramsche, Tel.: 0049-(0)5461-935.10, (detlef.neumann@web.de)