iDSB-Aktionstag 2009

„Tag der dicken Pullover“ am Freitag, dem 13. Februar 2009

Von Von Tanya Wittal-Düerkop

Am Freitag, dem 13. Februar 2009 war es in der iDSB viel, viel kälter als sonst. Nicht dass es an jenem Freitag, dem 13. in Brüssel besonders kalt gewesen wäre, nein, die Schüler- und Lehrerschaft der iDSB wollte mit dem „Tag der dicken Pullover“ ein Zeichen setzen für solidarisches Energiesparen. Und man wollte erinnern an das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz im Februar 2005, welches erstmals völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern festgelegt hatte. Diese gelten als primäre Ursache der globalen Erwärmung. Anfrieren gegen den Klimawandel Deshalb hatte Hausmeister Paul Hartmann an jenem Tag die Heizungen um einige Grad Celsius heruntergeschraubt. Deshalb hatte die Gesundheitsbeauftragte der iDSB, Petra van den Beukel, zusammen mit der tatkräftigen SV einen energiegeladenen Projekttag zum Thema Klimaschutz und Energiesparen mit Podiumsdiskussionen, Filmen, Lesungen und Fachvorträgen mitsamt Aufwärmtraining und Hot Snacks für durchfrorene Körper organisiert. „Ich finde es wichtig, unsere Kinder für aktiven Umweltschutz zu sensibilisieren, ihnen zu zeigen, dass Energiesparen bei ihnen selbst anfängt und sie so ganz persönlich etwas gegen den globalen Klimawandel unternehmen können. Beim „Warme Pullover-Tag“ wird ihnen anschaulich bewusst, dass sie durch ihr Mittun Dinge verändern können. Das finden die Kinder super und sie entwickeln darüber hinaus auch tolle Ideen, wie sie täglich selbst Energie sparen können!“, so Petra van den Beukel. Warm anziehen im Kampf gegen die Erderwärmung! Die originelle Idee des „Warmen-Pullover-Tages“ basiert auf einer Klimaschutzkampagne der flämischen Landesregierung und läuft schon im fünften Jahr erfolgreich in Schulen, Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen. Ziel der Kampagne ist der Versuch, uns Verbraucher zum aktiven Energiesparen anzuregen. Experten haben errechnet, dass ein Herunterdrehen aller Heizungen in öffentlichen Gebäuden in Belgien den Schadstoffausstoß pro Tag um satte 7 Prozent senken kann. In den vergangenen fünf Jahren haben sich bereits eine halbe Million Schüler und Lehrer am „Dicke-Pullover-Tag“ eine blaue Nase geholt und damit knapp 400 Tonnen CO2 eingespart.

 

Kyoto total an der iDSB Von Kindergarten bis Oberstufe, an der iDSB machten alle mit. Und alle hatten so kuscheligdicke und knallbunte Pullover, witzige Ohrenschützer, selbstgestrickte Handschuhe und XXL-Schals an. Kampagnenbuttons durften natürlich auch nicht fehlen. Fragten sich um 8.00 Uhr noch manche, was denn dieses ominöse „Kyoto“ überhaupt sei, so fachsimpelten spätestens ab10.00 Uhr alle über Klimawandel und Energiekrise. Klimawandel kindgerecht vermittelte in der Grundschule die „Lesekiste“ mit Silke Grammatikos, die in einem kongenial inszenierten Mini-Happening mithilfe des Buches „365 Pinguine“ von Jean-Luc Fromental und Joëlle Jolivet den Kleinen die globale Erwärmung – und die Folgen für die Pol-Vögel - erklärte. Die Größeren trafen sich in der Aula virtuell mit Al Gore und diskutierten angeregt mit einem Experten aus dem Umweltministerium über Erderwärmung und Klimakrise. In ihren Klassen arbeiteten sie dann in verschiedenen Projekten und mithilfe von Planspielen weiter am Thema. Stärken und aufwärmen konnten sich in den Pausen alle Eiskalten beim Croque-Monsieur-, Tee- und Kakaostand der umtriebigen Neuntklässler, die ob des Andrangs sogar ohne Heizung ins Schwitzen kamen. Die siebten Klassen sorgten mit selbst gebackenen Kuchen für einen leckeren Nachtisch und ein Ansteigen der wärmenden Körperfettschichten. Der Schülersprecher Leon Zwiffelhofer zeigte sich nach Schulschluss zwar erschöpft ob des Organisationsstresses, aber glücklich und zufrieden: „Unser Aktionstag zeigt, dass wir es in der Hand haben, Dinge im Kleinen zu verändern, um auch einen winzigen Teil im Großen verändern zu können.“
Seit dem Jahr 2005 gibt es ihn, den „Dicker-Pullover-Tag“, den „Journée Gros Pull“ oder „Dikke truiendag“, an dem in ganz Belgien die Heizungen herunter gedreht werden. Es ist eine Erinnerung an das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls am 16. Februar 2005, das vorsieht, den jährlichen Treibhausgas-Ausstoß um durchschnittlich 5,2% zu reduzieren. Man will Zeichen setzen, aufmerksam machen und selber seinen Teil beitragen. Denn durch das Herunterschalten der Heizung um nur 1 Grad Celsius können mehr als 5% der Energie eingespart werden. In den letzten Jahren haben bis zu 600 000 Schüler und Lehrer beim „Dicke-Pullover-Tag“ mitgemacht und 390 Tonnen CO2 ein gespart. Dieses Jahr fiel er auf einen Freitag, den 13. Februar. Und auch die Internationale Deutsche Schule Brüssel beteiligte sich – doch es wurde beileibe kein Unglückstag. Im Gegenteil: Die ganze Schule machte das Thema zum Thema und es wurde ein rundum gelungener Tag. Schon am Morgen gab es Gymnastik, in den Pausen wurden in der Grundschule Tee und heiße Waffeln ausgegeben, in der Oberschule gab es auch Hot Dogs und Croques. Und wenn einem beim Anschauen des informativen Films oder während eines Vortrages die Füße kalt wurden, konnte man sich beim gemeinsamen Aerobik schnell wieder aufwärmen. In jeder Klasse wurden die Themen Klimaschutz und Klimawandel ausgiebig diskutiert.

Treibhauseffekt verständlich machen

Doch wie bringt man den jüngsten Schülern und Schülerinnen ein so schwieriges Thema nahe, wie kann man Sechs- und Siebenjährigen Begriffe wie globale Erwärmung oder Treibhauseffekt verständlich machen? Natürlich haben sie einen großen Spaß beim Hüpfen und Tanzen und freuen sich gewaltig über einen Direktor, der Tee und Waffeln austeilt. Doch auch sie sollen schließlich wissen, warum und wofür das Ganze stattfindet. Für einen kindgerechten Einstieg in das Thema sorgte an diesem Tag zumindest in einigen Klassen der Grundschule die Lesekiste. Ausgangspunkt für ein Mini-Happening von einer knappen Viertelstunde was das Buch „365 Pinguine“ von Jean-Luc Fromental und Joëlle Jolivet. In diesem Buch geht es um die globale Erwärmung – und die Folgen für die Pol-Vögel. Onkel Victor Emanuel hat erkannt, dass der Lebensraum der Frackträger vom Südpol immer kleiner wird, und kommt auf eine ebenso einfache wie ungewöhnliche Lösung (die den Kindern sofort einleuchtet): Er schickt die Pinguine einzeln per Postpaket an seine Familie, jeden Tag einen. Die Familie wird davon völlig überrumpelt und droht bald im Pinguin-Chaos zu versinken. Ein Jahr lang schickt der Onkel täglich einen Pinguin, dann kommt er schließlich selbst, um seine kleinen Freunde an einen sicheren Ort weiter zu transportieren, nämlich an den Nordpol. Einen Tag lang herrscht Ruhe im pinguingeplagten Haus – dann klingelt der Postbote und bringt ein Paket… Allein das überdimensionale Bilderbuch mit den schlichten, plakativen, farblich reduzierten Bildern macht den Kindern schon großen Spaß. Darüber hinaus gab es auch einiges zu tun: Da waren Päckchen zu öffnen, Briefe und Zettelchen zu lesen und Rechenaufgaben zu lösen (wie viele Pinguine sind es denn nun inzwischen?) Am Ende des Buches sind die Kinder schon so dabei, dass sie gleich ahnen, was in dem neuen Paket steckt: ein Eisbär. Denn am Nordpol leben ja jetzt die Pinguine. War die Idee von Onkel Viktor Emanuel vielleicht doch nicht so gut? Ob die Kinder eine bessere Idee haben? Und ob! Die dürfen sie dann noch selber aufschreiben oder aufmalen – mal sehen, vielleicht wird die eine oder andere davon ja noch ins Kyoto-Protokoll aufgenommen? Erstellt oder aktualisiert am 19. Februar 2009.