Aktuelle Stunde zu Afghanistan an der iDSB

Kinderhilfe Afghanistan

Von Christine Kopp und Tanya Wittal-Düerkop

Viele Schulen in Afghanistan sind zerstört. Mädchen werden von jeglicher Bildung ausgeschlossen. Frauen werden an einer Berufsausübung gehindert. Krieg und Bürgerkrieg sowie sechs Jahre Taliban-Regime haben in dem geschundenen Land eine traurige Bildungswüste hinterlassen.

 

Unter anderem aus diesen Gründen wurde 1998 die Privatinitiative KINDERHILFE AFGHANISTAN der Regensburger Familie Erös ins Leben gerufen. Der inzwischen pensionierte Bundeswehrarzt Dr. Reinhard Erös leistete in seiner Freizeit bereits seit über 20 Jahren humanitäre Hilfe in vielen Krisenregionen Afrikas und Asiens. Seit 1985 engagiert er sich zusammen mit seiner ganzen Familie in besonderem Maße für Afghanistan. Für seinen humanitären Einsatz wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Marion-Gräfin-Dönhoff-Preis.
Zusammen mit ausschließlich afghanischen Mitarbeitern errichtet und betreibt die Kinderhilfe Afghanistan sog. „Friedens-Schulen“, Werkstätten für Solaranlagen, ein Waisenhaus, eine Gesundheitsstation sowie eine Mutter-Kind-Klinik. Zielgruppe sind für die Kinderhilfe Afghanistan vor allem Frauen und Kinder in Ostafghanistan, in „Zukunftswerkstätten“ werden aber auch junge Männer im Bau von Solarkochern und Solar-Lampen ausgebildet.
Dr. Erös besucht mehrfach jährlich seine Projekte, kontrolliert und überwacht die Arbeit. Er bezahlt persönlich die Gehälter seiner afghanischen Mitstreiter. Damit will er garantieren, dass alle Spendengelder sinnvoll eingesetzt werden. Alle Afghanistan-Arbeit der Familie Erös wird ehrenamtlich geleistet. Es gibt keine Gehälter, Spesen oder Kilometer-Gelder. In Deutschland und im Ausland informieren Dr. Erös und seine Frau Annette mit Vorträgen und Seminaren die Menschen in Schulen, Universitäten, Vereinen, etc. über die Situation in Afghanistan.
Am 01. Oktober kamen auf Initiative von Annelie Ungerer und Familie Eder Dr. Erös und seine Frau auch zu uns an die iDSB, um kenntnisreich und anschaulich über die gegenwärtige Lage in Afghanistan zu berichten und ihre Hilfsprojekte vorzustellen.
In der Vormittagsveranstaltung, die speziell für unserer Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 12 konzipiert worden war, berichtete Frau Erös über die historischen und politischen Hintergründe der Misere in Afghanistan. Sie vermittelte den Jugendlichen ein nicht durch unsere Medien beeinflusstes Bild von Afghanistan. Unsere Schülerinnen und Schüler wurden in verschiedenen Fächern auf das Thema vorbereitet. Ausgewählte Schüler stellten eine Ausstellung zum Thema „Kunst gegen den Krieg“ zusammen, die im Rahmen der Afghanistan-Veranstaltung zu sehen war.
In einer öffentlichen Abendveranstaltung bannte Dr. Reinhard Erös sein interessiertes Publikum mit seinen intensiv vorgetragenen Thesen zum Krieg in Afghanistan, der – seiner Meinung nach – nicht zu gewinnen sein wird. Er schilderte anschaulich die konkrete Arbeit vor Ort in seinen Hilfsprojekten. Kenntnisreich vermittelte er seinen Zuhörern ein eindrückliches Bild der historischen, kulturellen und politischen Wurzeln des Konflikts.
Schulleiter Dr. Walter Karbach dankte dem Vortragenden in seinem Schlusswort für seine ungeschminkte Darstellung der Krisensituation in Afghanistan und zeigte sich sehr beeindruckt von dem unermüdlichen Einsatz der Familie Erös für die Menschen in Afghanistan. Die Internationale Deutsche Schule Brüssel werde über Wege nachdenken, die Kinderhilfe Afghanistan aktiv zu unterstützen.